ZWEI MAL DIE FÜNF, BITTE
Mac OS X 10.5.5: Großes Aufräumen in Cupertino
16.09.2008
Nachts sind alle Katzen grau, sagt man, doch nicht diese: Mac OS X 10.5.5 hat sich in der vergangenen Nacht zum ersten Mal gezeigt, die Änderungen in Leopard können sich sehen lassen. Die neue Version enthält über 100 Fehlerbehebungen und verbessert zudem die Anwendersicherheit. Nun, bei Tage, ist es Zeit für einen zweiten Blick.
Vor der fünften Aktualisierung liegt unter Mac OS X 10.5 lange nicht mehr so viel im Argen wie noch während der ersten Monate im Leben der Raubkatze. So beschränkt sich Apple mit Mac OS X 10.5.5 weitgehend darauf, Fehler zu beheben, neue Funktionen sind keine zu sehen. Der Hersteller verspricht in der Softwareaktualisierung zunächst mehr Stabilität, mehr Kompatibilität und mehr Sicherheit – das sind die drei Allgemeinplätze eines jeden Systemupdates. Apples Supportseiten allerdings liefern mehr Einzelheiten.
Bessere Hardwareanbindung
Wie bei jedem Systemupdate hat Apple über das ganze Betriebssystem hinweg Funktionen verbessert. Mac OS X 10.5.5 enthält Grafikerweiterungen, die vielen aktuellen Macs zu Gute kommen sollten. Nur das MacBook Air hingegen betrifft: Das Fliegengewicht soll Audio stabiler wiedergeben, auf den Zugriff auf CDs und DVDs auf einem anderen Computer kann man sich laut Hersteller verlassen. Die Zusammenarbeit aller Macs mit dem iPhone hat sich verbessert, iCal- und Adressbuchdaten tauscht Leopard zuverlässiger mit dem Handy aus. Wie mit fast jedem Systemupdate hat Apple insgesamt an der Sychronisierung von Daten gearbeitet, auch mit PalmOS-basierten Geräten und mit MobileMe.
Spotlight auf Time Machine
Es vergeht kein Update, mit dem Apple nicht auch zwei recht neue Techniken weiter verbessert: Time Machine und Spotlight. Was es genau heißt, wenn der Hersteller die “Indizierungsleistung von Spotlight” erhöht, bleibt zwar der Interpretation des geneigten Lesers überlassen. Wir tippen aber, Spotlight durchforstet die Fesplatte schneller. In jedem Fall gereichen die vorgenommenen Änderungen dem Anweder sicherlich zum Vorteil, nicht immer muss er wissen, wie. In Time Machine hingegen ist die Sache klar: Apples Backup-Revolution kümmert sich nun auch um iPhone und iPod und sichert Backups dieser Geräte, sofern sich diese bereits auf der Festplatte des Macs befinden. Auch Einstellungsdateien im Verzeichnis ~/Library/Application Support landen jetzt zuverlässig in der Zeitmachine.
Mehr Sicherheit, auch unter Mac OS X 10.4
Wer Apples Liste der Verbesserungen in Sachen Sicherheit aufruft, der kann durchaus Respekt bekommen und wird, wenn nicht die ganze Systemaktualisierung, so zumindest rasch das Security Update 2008-006 aufspielen, das es auch getrennt herunterzuladen gibt und das zudem auch für Mac OS X 10.4 zu Verfügung steht.
Kritisch wird es vor allem dann, wenn in den Beschreibungen der geschlossenen Lücken Dinge wie “may lead to arbitrary code execution” stehen. Das bedeutet, dass ein potentieller Angreifer die Kontrolle über Ihren Mac erhalten könnte – im schlimmsten Fall und wenn er nicht zuvor durch Sicherheitsvorkehrungen gestoppt wird. Oft sind Pufferüberläufe dafür verantwortlich, dass Angreifern Tür und Tor geöffnet wird. Nicht mehr vorkommen soll das nach dem Update beispielsweise in den Apple Type Services und im ImageIO-Modul beim Ansehen von präparierten TIFF- und JPEG-Dateien. Unter Mac OS X Server 10.4 und 10.5 bringen die Sicherheitsupdates auch den Virenscanner ClamAV auf den neuesten Stand (Version 0.93.3). Die Software hatte selbst einige Fehler, die kritische Lücken im System zu öffnen drohten.
Weitere Sicherheitsvorkehrungen betreffen die Sicherheit der Passwörter, die nun schwieriger auszuspionieren sind, sowie die Benutzerrechte der einzelnen Dateien.
Software in Behandlung
Der kurioseste behobene Fehler ist wahrscheinlich, dass sich ein Mac “täglich zur selben Zeit” unerwartet einschalten konnte. Doch Apple hat in einer Reihe von Anwendungen nachgelegt: im Adressbuch, im Festplatten-Dienstprogramm, den Verzeichnisdiensten, in iCal, Mail, MobileMe und Time Machine. Bei all diesen Applikationen ist insgesamt mit mehr Stabilität zu rechnen. Falls ein Anwender gar ein konkretes Problem hatte, sollte er auf den Apple-Seiten schauen, ob das Update es vielleicht behebt – oder es einfach mit einer Installation der Aktualisierung probieren.
Entscheidung gefragt: Installieren oder nicht?
Auf die Frage, ob ein Anwender das Update auf Mac OS X 10.5.5 sofort installieren oder noch warten soll, gibt es keine pauschale Antwort. Die einen raten, bei größeren Updates stets zu warten und zunächst die Reaktionen in Blogs und Foren abzuwarten. Andere meinen “Nichts wie weg mit den Fehlern!” und spielen Aktualisierungen sogleich auf – im Falle von Sicherheitsupdates sicherlich der einzig richtige Schritt. Wenn Sie also die Reaktionen auf Mac OS X 10.5.5 lieber abwarten wollen, so verzichten sie zumindest nicht auf das Security Update 2008-006.
Wenn Sie Mac OS X 10.5.5 installlieren, so verifizieren Sie zunächst, ob Sie auch wirklich ein aktuelles Backup all ihrer Daten besitzen. Dann erst schreiten Sie zur Tat: Das Delta-Update lässt sich über die Softwareaktualisierung beziehen, es setzt Mac OS X 10.5.4 voraus und ist als Download rund 150 Megabyte groß, je nach eingesetzem Mac variiert die Größe. Wie das Combo-Update lässt es sich auch separat von Apples Download-Seiten herunterladen, das Combo-Update bringt dann jede Leopard-Version ab Mac OS X 10.5(.0) in einem Rutsch auf den neuesten Stand und ist deshalb rund 600 Megabyte, in der Serverversion sogar über 700 Megabyte groß.
Wer bereits offensichtliche Probleme mit seinem Mac hat, sollte das Combo-Update aufspielen und dabei die macnews.de-Installationsanleitung Schritt für Schritt befolgen.
Bild: damouns, via Flickr.com, einige Rechte vorbehalten