ISO-ZERTIFIZIERUNG VON LOBBY-ARBEIT GEPRÄGT
Microsofts OOXML ist im Schnelldurchlauf gescheitert
06.09.2007
Durchgefallen: Microsofts neues Dateisystem für Office-Dokumente hat die ISO-Zertifizierung vorerst nicht erhalten. Für eine Zustimmung im “Fast Track” genannten Schnellverfahren reichten die Mehrheiten nicht aus. In Redmond freut man sich trotzdem über “starke globale Unterstützung” zum Office Open XML-Fomat (OOXML) – auch durch das Deutsche Institut für Normierung (DIN).
Seitdem Microsoft mit der neuen Version Office 2007 für Windows ein neues Dateiformat für Word, Excel und PowerPoint eingeführt hat, will die Kritik seitens der Anwender nicht verstummen, im Mac-Lager ist die Empörung besonders groß, wird OOXML doch erst von Office 2008 nativ unterstützt werden. Solange müssen sich Mac-Anwender mit Inkompatibilitäten und Konvertern ärgern. Oder sie weichen auf Alternativprogramme aus: Die Open-Source-Programmsammlungen der OpenOffice.org-Familie etwa beherrschen das OOXML wie auch das neue Pages 3 von Apple – nur Office 2004 für Mac eben nicht.
Für eine Zertifizierung im Schnellverfahren hätte OOXML der Zustimmung von zwei Drittel der qualifizierten ISO-Mitglieder und drei Viertel der normalen Mitglieder bedurft. Erreicht hat der Softwareriese aus Redmond diese Zustimmung nicht: 53 Prozent der qualifizierten und 74 Prozent der normalen Mitglieder stimmten für den Entwurf. Zu den Befürwortern gehören unter anderem das DIN, das hierfür starke Kritik erfuhr, und die Schweiz, in Schweden enthält man sich der Stimme wegen Unregelmäßigkeiten in der nationalen Abstimmung, die zuvor zu einem knappen Ja geführt haben. Dänemark und Irland haben sich wie Frankreich gegen die Zertifizierung von OOXML in der gegenwärtigen Form ausgesprochen, wie berichtet ist auch in den USA Microsoft durchgefallen.
Trotzdem sieht sich Microsoft auf der Siegerstraße: In einer Pressemitteilung freut man sich in Redmond über die “starke globale Unterstützung für Open XML” und unterschlägt im offiziellen Sprachgebrauch das kleine Wörtchen “Office”. Man beginne nun die finale Phase der Zertifizierung. Kritiker erwarten eine Verstärkung der Lobby-Arbeit des Konzerns, die bereits in vielen Staaten von Fachleuten kritisch beobachtet wird. Möglicherweise bedarf aber nicht nur Office Open XML einer Überarbeitung, sondern auch der hauseigene Zahlenkünstler Excel: In der Pressemitteilung spricht Microsoft nämlich von 74 Prozent Zustimmung bei den qualifizierten Mitgliedern – da könnte in der Zellstruktur der Excel-Mappe einiges verrutscht sein, unkt auch heise.de.