Praxis
Heute im Kummerkasten: Scheitern als Chance
macnews.de hilft heute bei WLAN-Kennwörtern, Keynote-Exporten und bittet um Mithilfe
Es gibt sie immer noch: die Umlautfalle. Aus E-Mails und dem World Wide Web ist sie dank UTF-8
mittlerweile so gut wie eliminiert, wer aber von Windows zum Mac switcht, den kann es immer noch
kalt erwischen - etwa beim Verbinden mit drahtlosen Netzwerken. Außerdem in dieser Ausgabe:
Warum verschwindet im QuickTime-Player die Steuerung, wenn man eine Keynote-Präsentation
öffnet? Und wieso gehen kleine und große Macs in die Knie, wenn sich im falschen Moment
die Maus bewegt?
Mit Umlauten ins Aus geswitcht: Mac im WLAN
Sie waren stets ein Quell nie versiegen wollender Probleme - und das werden sie auch in Zukunft noch bleiben: die Familie der Umlaute und ihre gesamte Sippe, die diakritischen Zeichen. Ob beim Kommunizieren per E-Mail, beim Publizieren im Web oder bloß beim Austauschen von Textdateien - auch im 21. Jahrhundert geschehen noch Wunder mit Zeichen, die unter Windows anders erzeugt werden als auf einem Mac. Immerhin ist die digitale Welt mit dem Unicode Transfomation Format (UTF) schon einen großen Schritt aus dem babylonischen Umlautgewirr herausgetreten - doch häufig genug sind unsere auf dem europäischen Kontinent lieb gewordenen Sonderzeichen Ursache von Kommunikationsschwierigkeiten.
So ergeht es auch Karl aus Kassel: Er ist vor kurzer Zeit von Windows auf den Mac geswitcht und grundsätzlich glücklich. Aber sobald er und sein MacBook bei seiner Freundin in deren WG zu Gast sind, fangen die Probleme an: "Manchmal ist notwendig, dass ich dort online gehe. Früher, unter Windows, war es gar Problem, sich mit dem WLAN zu verbinden, aber mein MacBook weigert sich standhaft, den ersten Buchstaben des Kennworts anzunehmen: das 'Ö'." Natürlich hat Karl auch im Netz recherchiert, doch findet er nur die Bestätigung, dass es eben nicht geht. "Gibt's da denn kein Hintertürchen?" fragt er uns. Das Ändern des WLAN-Passworts hätte eine umgehende Exekution durch die Bewohner der WG zur Folge - und das ist es ihm dann auch nicht wert.
Der harte Schnitt, das wäre die sauberste Methode - und diese Warnung geht an alle Computer-Anwender, egal, ob sie mit Mac, Windows, Linux, Unix oder OS/2 arbeiten: Niemals, niemals, nie für ein Kennwort ein Zeichen wählen, das nicht im ASCII-Zeichensatz enthalten ist. Diese insgesamt 128 Zeichen sind der kleinste gemeinsame Nenner aller Computer - was darüber hinausgeht kann, muss aber nicht immer korrekt dargestellt und verarbeitet werden. Ob die Benutzung von Nicht-ASCII-Zeichen im WLAN überhaupt Standard-konform ist und nicht vom Router selbst hätte unterbunden werden müssen, kann unsere Recherche nicht klären.
Trotzdem: Es gibt eine Hintertür! Allerdings - das sei vorweg gesagt - scheitert auch der Kummerkasten. Das Passwort für das WLAN lässt sich nicht nur als so genannte Passphrase ("IchBinDasPa55wort") eingeben, sondern auch als Hexadezimal übersetzte Zeichenkette (in diesem Fall: "49636842696e44617350613535776f7274"), wobei - je nach Verschlüsselungsstärke - eine exakte Länge nötig ist. Vielleicht findet ja einer unser Leser den Schlüssel zu dieser Hintertür, Mac OS X erkennt unter WPA angeblich eigenständig, dass ein Hexadezimal-Kennwort eingegeben wird, bei dem unsichereren WEP muss der Anwender ein "$" der Zeichenkette voranstellen.
Für Karl bleibt natürlich noch die Möglichkeit, sich in der WG seiner Freundin mit einem Ethernet-Kabel direkt an den Router zu hängen - oder gar einen eigenen Access Point wie eine AirPort Express-Station anzuhängen. Wie hat sich unser Leser in Kassel entschieden? "Die Lösung ist: Ich lese ein Buch!", schreibt uns Karl zurück. "So umgehe ich das Problem, mich mit den Killer-Mitbewohnern anzulegen - und habe eine Beschäftigung, solange meine Freundin arbeitet." Wie charmant - gedrucktes Wort statt Internet: Scheitern kann man auch als Chance begreifen.
Keynote: Mit Klick zum Erfolg
Nicht jeder hat einen Mac (noch nicht) - und so ist es manchmal immer noch schwierig , auf einem Mac erstellte Dokumente auf anderen Computern zu öffnen. Kein Problem ist es, wenn sowohl auf dem Mac als auch dem PC dasselbe Programm installiert ist: Auch darum hält sich Microsoft Office mit Word, Excel und PowerPoint so beharrlich. Wer seine Geschäftszahlen, Forschungsergebnisse oder kreative Ideen aber nicht mit PowerPoint präsentieren möchte, sondern auf Apples Keynote zurückgreift, der tappt in die Kompatibilitätsfalle. Clever ist, wer sich auf diesen Fall vorbereitet - und seine Präsentation in ein Austauschformat exportiert - etwa als QuickTime-Film.
So ist auch Simon vorgegangen, der nördlich von Kassel wohnt - dort wo Weser und Diemel aufeinandertreffen. Doch mit der QuickTime-Datei wird er nicht glücklich: "Der Film wird ohne Steuerung angezeigt - und ich habe auch keine Möglichkeit gefunden, die Steuerung für vorwärts und rückwärts einzublenden. Der VLC-Player hingegen zeigt mir diese Controller - und auch die QuickLook-Funktion von Mac OS X. Für mich wäre das aber wichtig, da ich oft gezielt auf bestimmte Stellen in dieser Präsentation zugreife."
Zunächst stellen wir fest: Simon hat recht. Der QuickTime-Player zeigt - im Gegensatz zu "normalen" Filmen - keine Steuerungselemente an. Das muss er auch nicht, wenn für den Export die Option "Manuelle Vorführung" ausgewählt wurde. Der Präsentations-Film schaltet mit jedem Mausklick, Klick auf der Apple Remote oder Leerschlag auf der Tastatur um eine Folie weiter - inklusive der gewählten Übergangsanimationen. Das funktioniert auch mit den Cursor-Tasten: Pfeil nach unten und Pfeil nach rechts schalten vorwärts - und mit den Pfeil-Tasten nach unten oder links kann Simon um eine Folie wieder zurückspringen.
Dann stellen wir aber auch fest: Simon hat unrecht. Denn es gibt weitere Optionen beim Keynote-Export zu QuickTime. Wählt er beim Exportieren eine der Optionen mit "Zeitverhalten", dann zeigt der QuickTime-Player auch die Steuerungselemente am unteren Fensterrand an. It's not a bug - it's a feature! Ideal sind beide Verfahren allerdings nicht, wenn es sich um umfangreiche Präsentationen handelt und Simon nur bestimmte Stellen ansteuern möchte, wie er es ja fordert. Hier böte sich dann der Export als PDF an, bei dem Simon sehr schnell und zielgenau zu bestimmten Folien springen kann. Die Nachteile wollen wir aber nicht unterschlagen: Eingebettete Medien wie ein Soundtrack oder Filme können so nicht mit exportiert werden, animierte Übergänge bleiben ebenfalls auf der Strecke. Ähnlich problembehaftet ist der Export in das PowerPoint-Format, auch hier gehen einige Gestaltungselemente verloren.
Aktenzeichen XY ungelöst: In der Mausefalle
Zwei Zuschriften aus den vergangenen Wochen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten - und die geneigten Leser um Mitarbeit bitten. Gesucht wird ein Kausalzusammenhang zwischen Mausbewegungen und dem damit einhergehenden Systemstillstand von Mac OS X 10.5.
Unserem Leser Dieter fällt an seinem iMac G5 beim Entpacken von Image-Dateien (.dmg) unangenehm auf, dass Leopard seit dem letzten Update zu Eis erstarrt - sobald er mit dem Mauszeiger in das Fenster eines anderen Programms klickt und somit den Vordergrundprozess wechselt. Ähnlich verstört zeigt sich Armin, Herr über gleich fünf Mac minis der aktuellen Baureihe mit Core 2 Duo-Prozessor: "Wenn man beim Abmelden eines Benutzers unter Mac OS X 10.5.x die Maus nur bewegt, friert sie ein - danach ist einem anderen Benutzer bloß noch Klicken möglich, aber kein Bewegen mehr." Der Austausch einer (der fünf) Hauptplatine habe keine Besserung gezeigt - dem Fehler lässt sich nur durch einen Neustart oder der Installation von Mac OS X 10.4 begegnen.
Haben Sie einen iMac G5 mit Mac OS X 10.5.5? Oder einen Mac mini Core 2 Duo - und können Sie den Fehler bestätigen? Der Kummerkasten hat diese Maschinen nicht - aber bald ein neues MacBook Unibody: Gerade hat der Händler des Vertrauens angerufen und zwingt diese Ausgabe zu einem abrupten Ende. Wir stürzen uns in ein neues Leben ohne FireWire, dafür aber mit stets perfekter Frisur: Spieglein, Spieglein auf dem Schoß - wo sind denn die Haare bloß ... ?
Ihre Fragen, bitte!
Haben auch Sie eine Frage, bei deren Lösung Sie Expertenhilfe brauchen, dann melden Sie sich in unserem Kummerkasten. Schicken Sie uns eine E-Mail, gönnen Sie Ihrer Anfrage eine aussagekräftige Betreffzeile und versehen Sie Ihre Mail mit vollem Namen, Postadresse und Telefonnummer. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir nicht alle Ihre Anfragen bearbeiten können. Bis zur nächsten Ausgabe wünschen wir Ihnen ein sorgenfreies Arbeiten.
Bildmaterial: superturtle (Teaser), cassetteject, Nicolas Nova, Tom Coates, brockvicky, via Flickr.com, einige Rechte vorbehalten; macnews.de



