Hardware
Elektronischer Tintenleser: BeBook in Deutschland
Auf der Suche nach der papierenen Zeit
Während Sonys und Amazons elektronische Lesegräte noch auf sich warten lassen, prescht
das BeBook pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den deutschen Markt. macnews.de hatte die
Gelegenheit, das elektronische Buch für einige Tage auf Bits, Bytes und elektronische Tinte zu
testen.
Die unendliche Geschichte
Die Bibliothek in der Tasche - die Erfüllung dieses Traums versprechen seit Jahr und Tag elektronische Bücher. Nach etlichen mehr oder meist weniger erfolgreichen Versuchen zeichnet sich langsam nun doch eine Verwirklichung dieses Traumes ab. Eine neue Technik soll den E-Book-Lesegeräten nun endlich zum Durchbruch verhelfen: Statt die lesewilligen Augen mit einem Monitorleuchten zu strapazieren, sorgt die E-Ink-Technik für ein papiereneres Leseerlebnis. Gleich mehrere Hersteller mit unterschiedlichen Ansätzen drängen nun in den Markt - noch aber ist die Technik jung, Vorurteile gegen das elektronische Lesen halten sich trotz Frankfurter-Buchmessen-Hype teilweise beharrlich.
BeBook im Ledermantel
Das 220 Gramm schwere BeBook steckt in einer schwarzen Lederhülle mit Magnetverschluss, die ein wenig größer ist als ein übliches Taschenbuch. Darin liegt das anthrazitfarbene, angenehm flache Lesegerät. Noch bleibt der Bildschirm "weiß" - um das BeBook zum Leben zu erwecken, befreit man es erst aus der Lederhülle, schraubt den Akkudeckel mit dem beiligenden Schraubendreher auf, setzt den Akku ein und schraubt den Deckel wieder zu. Nach Knopfdruck steht nun das elektronische Taschenbuch bereit. Das BeBook verwendet das gleiche Display wie Amazons Kindle und Sonys PRS-505, das nun 2009 auch in Deutschland erhältlich sein soll. Der erste Eindruck ist überzeugend: Die Seite zeigt sich lesefreundlich in leichtem Grau, die Schrift "steht" und schmeichelt dem Auge - auch wenn diese durch eine leichte Pixeligkeit an frühe Digitaldrucke erinnert. 6-Zoll misst der Graufstufen-Bildschirm. So kann man lesen ... aber nicht anfassen. Der iPhone und iPod touch-verwöhnte Anwender ist immer mal wieder versucht, mit den Fingern zu navigieren. Die - knappe - Anleitung warnt aber ausdrücklich davor, zur Zeit ist iLiad der einzige Hersteller, der E-Paper wenigstens mit Stiftbedienung verbindet.
Sonnige Aussicht
Der zweite Eindruck ist weniger positiv - der Hersteller Endless Ideas hat hier noch einige Hausaufgaben vor sich. Das auf Linux basierende Betriebssystem des BeBook erinnert an längst vergangen geglaubte Computer-Zeiten, man navigiert mit den Zifferntasten Eins bis Zehn sowie zwei weiteren Knöpfen, die für Eingabe und Zurück stehen. Man klickt sich durch Ordnerstrukturen, bis man - endlich - auf die mitgelieferten E-Books stößt. 150 aus dem Gutenberg-Projekt sind es insgesamt, davon zehn Klassiker in deutscher Sprache. Etliche weitere findet man auf der BeBook-Seite, teilweise auch im PDF-Format. Ein Nachteil der E-Ink Technik zeigt sich deutlich beim Blättern: Der Bildschirm wird kurz schwarz, das Umblättern dauert - ein echtes Seiten-Umblättern-Gefühl will sich beim Tester nicht einstellen, aber durchaus ein Gewöhnungseffekt - das prinzipbedingte Manko fällt nach einiger Zeit weniger auf. So wie ein riesiger Vorteil der E-Ink-Technik: Im Gegensatz zu normalen Displays leidet die Lesbarkeit nicht durch Sonnenschein, sondern nimmt zu. Wer unter der Bettdecke lesen will, braucht aber - wie in guten alten Zeiten - die Taschenlampe.
Daten-Schnecke und Marathon-Läufer
Das BeBook findet über eine - langsame - USB 1-Schnittstelle Anschluss an den Rechner und somit Daten und Strom. Eine Akkuladung soll für 7000 Seiten Lektüre reichen - wobei es gleichgültig ist, wie lang man eine Seite liest. Gewöhnen muss man sich auch daran, dass man das Gerät nicht ausschalten sollte - ein Druck auf den Einschalt-Knopf sperrt so auch lediglich die Tasten. Das BeBook und eine optinonale Speicherkarte melden sich am Rechner als externes Laufwerk an - am Mac ziemlich beharrlich, lediglich der Griff zum USB-Kabel entfernt das Gerät mit der obligatorischen Mac-Fehlermeldung. Das stört ein wenig, ist aber eher kosmetischer Natur - so wie ein anderer Umstand: Das BeBook stellt die Metadaten als zusätzliche Datei dar, die man auch nur über Umwegen einzeln löschen kann - bis der Hersteller die bereits versprochene Lösung des Problems anbietet, muss man entweder damit leben, über Terminal-Befehle die unerwünschten Dateien löschen oder zum Beispiel das Programm Hidden Cleaner bemühen. Dafür verwirrt das Gerät nicht mit hunderten Funktionen: Notizen und eine Suche sucht man vergeblich, dafür lassen sich pro Buch bis zu fünf Lesezeichen anlegen.
Stoff-Frage: Der Allesfresser
Im Gegensatz zu den großen Mitbewerbern versteht sich das BeBook als "Allesfresser" - die unterstütze Formatliste ist lang und umfasst das Mobipocket-Format mit und ohne DRM, PDF, RTF, DOC, Bilddateien und viele weitere. Auch MP3 ist mit dabei, um das Gerät zum Beispiel auch mit Hörbüchern zu füttern. Gelegen kommt da die Speicherweiterungs-Möglichkeit, 512 Megabyte bringt das BeBook von Haus aus mit, durch SD-Karten kann man den Speicher laut Hersteller um maximal vier Gigabyte erweitern - für Firmware-Updates empfiehlt Endless Ideas allerdings eine Speicherkarte bis 1 Gigabyte. Einen kleinen Pferdefuß hält der Download-Bereich allerdings bereit: Den Link findet man in den News versteckt, um ihn zu finden muss man den Browser allerdings auf Englisch umstellen - sonst bleibt die News-Sektion derzeit leer.
Eine Frage des Formats
Die schönsten Ergebnisse beim Test zeigten teilweise PDF-Dateien - die mitgelieferten Gutenberg-Bücher sind ein gutes Beispiel dafür. Bei anderen PDFs war teilweise die Schrift unlesbar klein, was sich nur teilweise durch die zwei Zoom-Stufen beheben ließ. Wer selbst Hand anlegen und seine vorhandenen Bücher passend formatieren kann, steht auf der Sonnenseite. Einen eigenen Store wie Amazon oder Sony hat Endless Ideas nicht, und so muss der Hersteller seine Zielgruppe klar außerhalb des Massenmarktes finden: Menschen, die bereits einen großen Bestand von E-Books in ihrer Bibliothek stehen haben oder nicht von einem Hersteller abhängig sein wollen. Für sie ist das BeBook - trotz der Mängel - eine gute Alternative, dem Papier auf elektronischem Weg so nah wie möglich zu sein. 329 Euro ist der empfohlene Verkaufspreis mit Lederhülle und Ohrstöpseln, der deutsche Distributor MacLand, der uns das Testgerät überlassen hat, gibt gerne Auskunft, wo man das Gerät im Fachhandel selbst in Augenschein nehmen kann.
- Externe Sites
- MyBeBook
